Zur aktuellen „Inventur 2019 – Doppelspitze“ : 

( Mainpost 13.12.2019 / Joachim Fildhaut )

2019 war zum Lachen

D ie vielseitigen Bühnenfrauen blicken Heidi Friedrich und Birgit Süß zum zehnten Mal auf ein Jahr zurück: Ihr Kabarettprogramm „Inventur“ hatte am Donnerstag Premiere und das Theater am Neunerplatz war und ist in den nächsten 13 Vorstellungen ausverkauft. Zu Recht. Knallscharf spiegeln sie das Weltgeschehen wieder in einem Dutzend theatralisch sauber profilierter Nummern und – das dann mehr zum Spaß – mit einer Handvoll groß aufgemachter Songs.

Doch das Duo sah nicht nur zurück, sondern auch voraus – die starke Kartennachfrage nämlich. Zum Zehnjahres-Jubiläum wagte es den Sprung nach vorn: Für den 8. und den 14. Februar reservierten sie den Pfarrsaal von Heilig Kreuz eine Straßenecke hinter dem Neunerplatz.

Aber zurück zu 2019. Ach, Süß und Friedrich würden das Publikum am liebsten in die nächste Kneipe schleppen, um nicht dran denken zu müssen. Aber dann sitzen da doch zu viele Zuschauer, und den Komödiantinnen fällt ja doch viel Originelles ein. Gleich erscheinen sie wieder, in Kostüm Nr. 1, als CDU-Influencerinnen, die per Youtube-Video den Parteisprecher Philipp Amthor „voll nice“ vor dem bösen Internet-Rowdie Rezo retten. Friedrich und Süß spielen hier zwei Figuren, denen ihre Rolle überhaupt nicht passt. Aber jede geht drin auf.

Nach ein wenig Einstiegsgeplänkel geht die Show „Inventur“ also gleich stark in die Vollen. Und sie hält das Niveau. Die beiden jonglieren mit den politischen Perspektiven ihrer Figuren, mit Ironie und ausdrücklicher Kritik. Klar bleibt ihre Position dabei immer, man weiß, wer und wie es gemeint ist, wenn sie aufzählen: „Lenin, Stalin, Kevin.“ Boris und Donald nicht zu vergessen. Die geben als Rotnasenclowns voreinander an, mit welchen Fake News sie ihre Wähler über den Tisch gezogen haben. Sehr schön treten sie auch als vermeintliche Oligarchennichten auf, als Schicki-Tanten, die vom Kreuzfahrtschiff auf Venedig blicken – und auch als sie selbst.

Noch ein Rückblick: Vor einem Jahr, als sie 2018 Revue passieren ließen, waren mehrere Texte von Friedrich und Süß eigentlich Monologe, die sie sich schwesterlich aufgeteilt hatten. Heuer liegt der Anteil echter Dialoge deutlich höher, was das gesamte Stück nebenbei dichter erscheinen lässt. Unter Regie von Martina Esser hatten die beiden auch ihre Spielstile noch besser aufeinander abgestimmt, vor allem dann, wenn sie aus der Rolle fallen und als „natürliche Bühnenpersonen“ agieren.

Wer reserviert hat, kann sich auf zwei rasante Stunden freuen. Wer nicht, besorge sich Heilig- Kreuz-Karten im Falkenhaus.

„Knallvoll war die Disharmonie…So eingestimmt erschien das Duo Friedrich-Süss auf der Bühne, Hochspannung pur knisterte spürbar und blieb bis zum letzten Moment erhalten…
Friedrich und Süss machen Kabarett, das keine Blödelei ist, sondern intelligente Hintersinnigkeit offenbart…Das Publikum erlebte einen höchstvergnüglichen Abend und wollte die Ladies gar nicht mehr von der Bühne lassen.“
Schweinfurter Tagblatt 2016

„… jeder Gang ist mit Liebe zum bösen Detail angerichtet, gut abgeschmeckt mit Wortwitz, Pointen und grandios präsentiert mit Tanz und Gesang. Sollte dem Publikum, …, das Lachen im Halse stecken bleiben, ist das gewollt. Wer Sinn für den alltäglichen Wahnsinn hat, ist bei Friedrich und Süss genau richtig.“
Mainpost 2015

„Wortgewandte Wallküren…Mit ihren messerscharfen Pointen, der beißenden Ironie und der ausgewogenen Kombination aus Kabarettnummern, kreativen Gesangseinlagen und charmanter Improvisation …brachten Friedrich und Süss vom 25-jährigen Studenten bis zur 70-jährigen Oma den gesamten Jazzkeller zu Nonstop Lachkrämpfen.“
Fränkischer Tag 2016

„Die beiden Schauspielerinnen verstehen es blendend, ihre komödiantische Spiellust in Szene zu setzen und für mitreißende Heiterkeit zu sorgen. …Über ihre „Inventur“… hätte man sich …gerne noch länger amüsiert. Aber nach zwei Stunden hochkonzentriertem Programm darf man den schmissigen Akteurinnen Durchschnaufen und kräftigen Beifall gönnen.“
Mainpost 2016